Der Film „The Housemaid“ bringt die Ängste von Frauen auf die Leinwand
Nina Winchester fährt aus der Einfahrt der Villa und schluchzt theatralisch, bevor sie zu lachen beginnt. Da wussten alle in dem Kinosaal: Jetzt ist sie endlich frei!
Das Drehbuch des Thrillers „The Housemaid“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Freida McFadden. Die deutsche Übersetzung trägt den Titel „Wenn sie wüsste“. Am 14. Jänner feierte der Film von Regisseur Paul Feig Premiere in Österreich.
Im Zentrum der Geschichte steht die Protagonistin Millie Calloway (Sydney Sweeney), die auf Bewährung aus dem Gefängnis kommt und dringend einen Job braucht. Als sie sich bei Nina Winchester, gespielt von Amanda Seyfried, als Hausmädchen bewirbt und genommen wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Alles wirkt perfekt. Das Haus, Familienvater Andrew und auch ihr Leben. Doch dieses Glück währt nur wenige Stunden.
Die Aufmerksamkeit des Publikums lenkt eine unzuverlässige Erzählinstanz. Sie lässt die Zuseherinnen und Zuseher erst glauben, dass die Gefahr von der hysterischen Nina ausgeht, die sogleich am nächsten Morgen ausrastet. Doch wirken ihre Ausfälle ein bisschen zu radikal und ein bisschen zu willkürlich. Ehemann Andrew, gespielt von Brandon Sklenar, erscheint neben Nina wie ein Held. Immer ruhig. Immer freundlich. Immer verständnisvoll.
Diese Dynamik wird für einige Zuseherinnen und Zuseher eine Frage nahelegen: Warum benimmt sich diese Frau so verrückt? Anders formuliert: Hat sie tatsächlich eine psychische Erkrankung oder geht ihr Verhalten auf einen externen Auslöser zurück?
Es dauert nun nicht lange, bis Andrew Nina durch das jüngere Modell ersetzt. Doch tritt er auch in dieser Szene für das Publikum noch nicht als Narzisst in Erscheinung. Erst als Andrew Millie für den Sex in jenes kleine Dachkämmerchen bringt, das er von außen verriegeln kann, ist klar, dass Nina nie verrückt war. Sie wollte nur sich und ihre Tochter retten.
Schauspielerisch trägt Amanda Seyfried den Film. Sydney Sweeney und Brandon Sklenar wirken neben ihr eher hölzern. Doch darüber kann man leicht hinwegsehen, weil der Film durch die vielen Plottwists über sein Publikum triumphiert und so die Strategie von Narzissten nachahmt: Sie offenbaren ihrem Gegenüber nur das, was ihnen gerade nützt.
„The Housemaid“ lehrt das Publikum genau hinzusehen und nicht vorschnell zu urteilen. Denn das Patriarchat festigt seine Macht durch Täuschung und erklärt Frauen grundsätzlich zu Konkurrentinnen. Das ist ja auch klug, denn: Im Modus der Komplizinnen würde das starke Geschlecht jeden Machtkampf gewinnen.
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